Hier geht es zu den Beratungsstellen der EFL und KSB in Kitzingen (von links): Eva-Maria Wulftange, Christina Merz und Carolin Merkt. | © Kerstin Schmeiser-Weiß (POW)
Kitzingen (POW) Wohnortnahe und kostenlose Beratung bei Partnerschafts-, Familien- und Lebenskrisen oder bei allen Fragen rund um eine Schwangerschaft: Das bieten seit 40 Jahren die Ehe-, Familien- und Lebensberatung (EFL) der Diözese Würzburg und die Katholische Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen (KSB) im Sozialdienst katholischer Frauen Würzburg (SkF) in Kitzingen an. Seit einem Vierteljahrhundert tun sie das gemeinsam in der Moltkestraße 10. Das Bistum Würzburg, das beide Standorte zu einem Großteil finanziert, übernehme damit „eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe“, sagen Eva-Maria Wulftange, stellvertretende Leiterin der EFL Region Würzburg, und Christina Merz, Abteilungsleiterin der KSB, überreinstimmend: „Es ist ein Mehrwert für Kitzingen.“
Das Haus in der Moltkestraße 10 ist ein unauffälliger Backsteinbau in einer ruhigen Wohnlage. Lediglich an zwei Schildern, die einträchtig nebeneinander hängen, erkennt man, dass hier die Außenstellen der EFL und der KSB untergebracht sind. Durch ein schmiedeeisernes Tor kommt man zum Eingang. Es gibt ein Sekretariat und drei Beratungsräume – einen für die EFL, zwei für die KSB. Für die EFL sind die Diplom-Sozialpädagoginnen Eva-Maria Wulftange und Kornelia Lorenz als Beraterinnen tätig, für die KSB Diplom-Sozialpädagogin Carolin Merkt und Sozialpädagogin Adina Meinl. Die kurzen Wege werden von allen geschätzt. „Wir haben viele Synergien“, sagt Christina Merz. Bei Bedarf würden die Klientinnen und Klienten auf die Angebote der jeweils anderen Stelle hingewiesen und auch bei der Terminvereinbarung unterstützt.
Die EFL bietet psychologische Beratung für Paare, Familien und Einzelpersonen an, egal ob traditionell oder multikulturell, Patchworkfamilie oder queer. Sie hilft beispielsweise bei Partnerschafts- und Lebenskrisen, Sinnfragen, Verlusterfahrungen oder Auseinandersetzungen in der Familie. Ein immer wiederkehrendes Thema ist die die Kommunikation in der Partnerschaft. Auseinandersetzungen eskalieren, ein Streit wird unversöhnlicher und beide Partner verzweifeln daran, eine gemeinsame Lösung zu finden und sich wieder anzunähern, sagt Eva-Maria Wulftange. „Das muss man als Problem anerkennen.“ Mit den Beraterinnen werde dann zum Beispiel Regeln für die Kommunikation erarbeitet. Zudem hätten sich die Ansprüche an eine Partnerschaft geändert, beobachtet Wulftange. „Früher ist man vielleicht häufiger zusammengeblieben, obwohl man unglücklich war. Der Anspruch auf Glück hat zugenommen, und das Zusammenbleiben ist nicht mehr selbstverständlich.“
Die KSB berät Frauen und Männer vor, während und nach der Schwangerschaft bis zum dritten Lebensjahr des Kindes, aber auch bei Kinderwunsch oder einem Verlust des Kindes, etwa bei einer Fehl- oder Totgeburt. Wichtig sei, dass die Beratungsstelle bei Krisen innerhalb von drei Werktagen Termine anbietet, insbesondere bei Konfliktberatungen im Zusammenhang mit einer pränatalen Diagnostik oder der Ambivalenz, ein Kind zu bekommen – „also dem gleichzeitigen Vorhandensein von dafür und dagegen sprechenden Gedanken und Gefühlen“, sagt Christina Merz. Zur Beratung gehört praktische Unterstützung, etwa Infos zu gesetzlichen Ansprüchen wie Mutterschutz und Elterngeld, Hilfe beim Umgang mit Behörden oder die Vermittlung von finanzieller Unterstützung durch staatliche und kirchliche Stellen. „Wir haben Zugang zu den Mitteln der ,Landesstiftung Hilfe für Mutter und Kind‘ oder den Bischöflichen Hilfsfonds der Diözese Würzburg. Wir können dort Gelder beantragen, um zum Beispiel die Erstausstattung für ein Kind finanziell zu unterstützen“, sagt Merz.
Schwierig werde es, wenn sich Gesetze ändern. So sei das angekündigte Kinderstartgeld kurzfristig doch nicht eingeführt worden. Das führe bei vielen Familien zu Verunsicherung und Sorge, da die Einmalzahlung bereits in die finanzielle Planung rund um die Geburt und Erstausstattung einkalkuliert war. Der Wegfall bedeute eine spürbare Mehrbelastung und schränke die Planungssicherheit in der frühen Familienphase ein. Eine Veränderung sei zudem die steigende Zahl von nicht-invasiven pränatalen Tests, die von den Krankenkassen gezahlt werden. „Die Frauen sind unsicher, ob sie das wollen und was es für sie bedeutet, wenn sie das Angebot annehmen oder ablehnen“, sagt Merz.
Die Angebote werden an die Bedarfe der Ratsuchenden angepasst. Carolin Merkt zum Beispiel absolviert derzeit in München eine Ausbildung zur Fachkraft zur Integrativen Eltern-Säuglings-Kleinkind-Beraterin (Schreibaby-Beratung). Dabei gehe es nicht nur um exzessives Schreien, sondern auch um Schlafstörungen oder Verhalten wie Klammern und Trotzen bei Säuglingen und Kleinkindern, erklärt sie. Auch hier haben die sozialen Medien an Einfluss gewonnen. Der Vergleich mit Familien, bei denen scheinbar alles reibungslos läuft, werde „stark befeuert“, sagt Merkt. Apropos Medien: Online- und Videoberatung sind mittlerweile Standard. Nach der KSB will nun auch die EFL bis Ende 2026 das sogenannte „Blended Counseling“ einführen. Dabei handelt es sich um eine Kombination von unterschiedlichen Beratungsformen wie Präsenz, Telefon, Chat und Video. „Viele junge Menschen rufen nicht an, weil sie darin eine Hürde sehen, und schreiben lieber über ein Onlineportal. Wir müssen sie da abholen, wo sie unterwegs sind“, sagt Eva-Maria Wulftange.
Die steigende Nachfrage belegt, dass die Ansprechbarkeit vor Ort geschätzt wird. So ist beispielsweise bei der EFL die Zahl der beratenen Menschen in den vergangenen zehn Jahren von 175 auf 192 in Stadt und Landkreis Kitzingen gewachsen. Die KSB wurde im vergangenen Jahr von 293 Ratsuchenden aufgesucht. Im Fünf-Jahres-Vergleich habe diese Zahl zwischen 265 und 325 gelegen. Die anhaltend hohe Resonanz zeige, dass die Angebote der KSB für viele Menschen von besonderem Interesse seien und einen wichtigen Bedarf abdeckten. „Seit dem Beginn im Jahr 1985 konnten bis heute über 9200 Ratsuchende in der KSB Kitzingen beraten und begleitet werden“, sagt Christina Merz.
Eine Besonderheit in Kitzingen ist die Gemeinschaftsunterkunft. „Es ist die größte Gemeinschaftsunterkunft in Unterfranken. Wir beraten viele Menschen mit Migrationshintergrund“, sagt Carolin Merkt. Beide Stellen bieten auch Beratung in englischer Sprache an, die KSB nutzt zusätzlich Dolmetscher-Tools. „Bisher haben wir es immer hinbekommen.“
Für die Zukunft wünscht sich Christina Merz, dass KSB und EFL „weiterhin zusammenbleiben“ und die wohnortnahe Versorgung trotz des Kostendrucks erhalten bleibt. „Sowie die finanzielle Unterstützung durch die Stadt und den Landkreis Kitzingen“, ergänzt Eva-Maria Wulftange. Derzeit trägt das Bistum 80 Prozent der Kosten für die EFL, die KSB wird nahezu vollständig durch das Bistum finanziert. „Die Ratsuchenden schätzen dieses Angebot der katholischen Kirche sehr und nehmen es als solches bewusst wahr“, sagen beide übereinstimmend. Manchmal würden Paare auch erzählen, dass sie mit ihrer Kirchensteuer gerne solche sinnvollen Angebote unterstützen, sagt Wulftange.
Die Beratungsstelle Kitzingen der Ehe-, Familien- und Lebensberatung (EFL) wurde 1986 in der Güterhallstraße eröffnet. Die Katholische Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen (KSB) existiert bereits seit 1985 in Kitzingen, zunächst in den Räumen des Kreis-Caritasverbands in der Schrannenstraße 10, ab 1991 in eigenen Räumen in der Falterstraße 5. Seit 2001 teilen sie sich die Räume in der Moltkestraße 10.
Termine bei der EFL gibt es nach Voranmeldung unter Telefon 0931/38669000, E-Mail info@eheberatung-wuerzburg.de. Weitere Informationen im Internet unter www.eheberatung-wuerzburg.de.
Die Katholische Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen ist zu folgenden Zeiten geöffnet: Montag von 8 bis 12.30 Uhr, Dienstag von 8 bis 12 Uhr, Mittwoch von 8 bis 14 Uhr, Donnerstag von 8 bis 12.30 und 13.30 bis 17.30 Uhr, Freitag von 8 bis 12.30 Uhr. Termine nach Vereinbarung unter Telefon 09321/4683. Weitere Informationen im Internet unter www.schwanger.skf-wuerzburg.de.
Text und Foto: Kerstin Schmeiser-Weiß (POW)