Der AK Leere Wiege Würzburg - bei dem auch die Katholische Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen | KSB im SkF vertreten ist - freute sich über die zahlreichen Gäste bei der Eröffnungsveranstaltung zur Wanderausstellung: Wenn die Wiege leer bleibt. Die Veranstaltung fand im Generationen-Zentrum Matthias Ehrenfried statt und wurde musikalisch vom Duo ZWEIPUNKTNULL gefühlvoll begleitet und ergänzt.
Das Thema Verlust eines Kindes durch Fehl- oder Totgeburt sowie durch Schwangerschaftsabbruch z.B. aufgrund von existentiellen Notlagen und pränataldiagnostischen Ergebnissen, begegnet unterschiedlichen Professionen im Netzwerk, die mit den Betroffenen in Berührung kommen, und so kamen bei der Veranstaltung Gastredner:innen aus unterschiedlichen Berufsfeldern zu Wort.
Stefanie Frahsek ist Leiterin der Erziehungs- und Familienberatung der Stadt Würzburg. Sie sprach in Vertretung für den Oberbürgermeister Martin Heilig und unterstrich die Bedeutung und Wichtigkeit dieses Themas und wie hilfreich es ist, dieses in die Öffentlichkeit zu bringen.
Edith Spanier-Zellmer, Seelsorgerin und Gründerin des Arbeitskreises, berichtete in berührenden Worten von den Anfängen und der Ausgangssituation vor über 20 Jahren, die sie dazu bewogen den Arbeitskreis Leere Wiege zu gründen. Die Mütter waren oft allein gelassen, die Kinder wurden damals oft nicht bestattet, hatten kein Anrecht auf eine Geburtsurkunde, wenn sie unter 500g schwer waren bei der Geburt, es gab keine Gedenkfeiern auf Friedhöfen u.v.m. Mittlerweile gibt es verschiedene gesetzliche Verbesserungen, die von Betroffenen eingefordert wurden.
Prof. Dr. med. Ulrich Pecks, Bereichsleiter Fetomaternale Medizin und Kreißsaal, berichtete aus medizinischer Sicht von seinen Erfahrungen. Das Klinikpersonal hat fast täglich mit Fehl- und Totgeburten zu tun, ausdrücklich erwähnte er auch Frauen, die mit einem (Spät-)Abbruch in der Klinik behandelt werden und auch die Erfahrung des Verlustes machen. Etwa 15% der Frühschwangerschaften enden mit einer Fehlgeburt, eine hohe Zahl. Er unterstrich die Bedeutung der begleitenden Professionen neben der medizinischen Betreuung.
Antje Beck, leitende Hebamme am KWM Missioklinik, beleuchtete u.a. den wichtigen Moment in der Klinik direkt nach der Geburt, denn „was jetzt nicht passiert, kann nicht mehr nachgeholt werden.“ Sie nennt einige Beispiele der Angebote im Kreißsaal, z.B. können Sternchenfotografen Bilder vom Kind machen, es gibt die Möglichkeit einen Fußabdruck in Gips anzufertigen u.v.m., es geht darum, Frauen Erinnerungsmöglichkeiten zu geben in einer Zeit, in der vieles viel zu schnell geht …
Dr. Claudia Kühner-Grassmann, Pfarrerin, erzählt aus ihrer Arbeit, von den wichtigen Gedenkfeiern auf Friedhöfen und anderen Orten und ihren Kontakten mit Eltern, die ihr Kind verloren haben. Die Betroffenen kommen mit ganz existenziellen Fragen zu ihr als Pfarrerin, auf die auch sie selbst keine abschließende Antwort hat. Die Frage nach dem „warum?“ kann manchmal noch mit medizinischen Gründen beantwortet werden, während die Pfarrerin spätestens bei der Frage nach dem „warum wir?“ an ihre Grenzen kommt. Und dennoch betont sie, dass wir alle etwas tun können, nämlich die Trauer mit den Betroffenen aushalten, da sein und zuhören.
Nach der Einführung konnte die Ausstellung betrachtet werden. Es gab die Möglichkeit persönliche Erfahrungen von betroffenen Müttern und Vätern direkt über einen QR-Code zu hören und zahlreiche Beispiele, welche Reaktionen hilfreich und entlastend oder als schwierig und belastend empfunden werden können.
Zahlreiche Besucher:innen gaben Rückmeldung zur Ausstellung. Manche nutzten dazu den „Sternenhimmel“ um ihrer Rührung Ausdruck zu verleihen, andere wendeten sich direkt an die Kolleginnen im Arbeitskreis Leere Wiege.
Die Abschlussveranstaltung findet am Freitag, den 24.Oktober um 16:00 Uhr im Matthias-Ehrenfried-Haus statt, mit Beiträgen zum Thema, dem Märchenerzähler Robert Schneider sowie musikalischer Begleitung durch Hr. Zellmer und Kollegen.
Susanne Resch